Denn Demagogen und Populisten ködern mit unehrlichen Argumenten unkritische Zuhörer. Mehr Rationalität wird nicht all unsere Probleme aus der Welt schaffen. In vielen Dingen steht letztlich unser Egoismus einer gerechteren Politik im Weg. Doch auch wenn beispielsweise die Interessen der gegenwärtigen Generation mit den Interessen zukünftiger Generationen in Konflikt stehen, spielt Rationalität eine Rolle. Denn die wenigsten Menschen halten sich in der Theorie für wertvoller als andere. Es braucht also eine Portion motiviertes Denken, um Ansichten zu rechtfertigen, die die Interessen anderer ignorieren.
Ob Unterricht in Psychologie oder Ethik die Haltungen der Menschen mit ihren theoretischen Idealen in Einklang bringen kann, wissen wir erst, wenn wir es ausprobieren. Es gibt aber auch viele Kontroversen, die sich nicht an gegensätzlichen materiellen Interessen entzünden, sondern an unterschiedlichen Sichtweisen. Menschen unterscheiden sich nicht deshalb in ihren außenpolitischen Standpunkten, weil sich die einen größere persönliche Vorteile von einer bestimmten Außenpolitik erhoffen als die anderen. Vielmehr können unterschiedliche Sichtweisen auch auf unterschiedlichen Werten fußen. Kann Ethikunterricht uns dazu bringen, unsere Werte zu reflektieren?
Zum anderen kann ein unterschiedliches Verständnis der Welt für unterschiedliche Sichtweisen ausschlaggebend sein. Menschen können sich darin täuschen, welche Politik tatsächlich ihren Werten entspricht. Rationalere Debatten zu solchen Meinungsunterschieden würden dem besseren Argument und der besseren Politik eher zum Erfolg verhelfen.
In der Schule sollte es nicht darum gehen, alles Mögliche auswendig zu lernen, um es nach der Klassenarbeit sofort zu vergessen. In der Schule sollte man lernen, wie man denkt. Stellen wir rationales Denken in den Mittelpunkt der Schulbildung, fördern wir eine politische Kultur, die den Problemen von Gegenwart und Zukunft besser gerecht wird.