Erkennen Sie an, dass jeder einzelne Mensch eine reichhaltige persönliche Geschichte hat, die sein Denken, Empfinden und Verhalten prägt.
Philosophen debattieren seit Jahrtausenden, ob der Mensch über irgendeine Form von freiem Willen verfügt (Dennett 2013). Ich halte es für wenig hilfreich, sich in den Details dieser interessanten Debatte zu verlieren; es genügt wohl festzuhalten, dass der freie Wille des Menschen, sofern er denn existiert, offenbar seine Grenzen hat. Sozialwissenschaftliche Forschungen zeigen, dass Menschen in der Wahl ihrer jeweiligen Überzeugungen nicht frei sind; vielmehr sind Überzeugungen durch biologische, kognitive und soziokulturelle Faktoren geprägt.
Auch die Genetik bestimmt mit, wovon wir überzeugt sind. Natürlich besitzen wir keine spezifischen „Überzeugungsgene“, doch erbliche Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Individuum bestimmten Behauptungen eher Glauben schenkt als anderen (z. B. Loehlin 1993). Umweltfaktoren haben ebenfalls Einfluss. Kulturelle und soziologische Faktoren (z. B. Zugehörigkeit zu einer religiösen oder nichtreligiösen Gruppe) prägen die Entwicklung von Überzeugungen (Bauer et al. 2012). Auch soziale Beziehungen, beispielsweise zu Eltern und Gleichaltrigen, sind mitbestimmend (Glass et al. 1986; Visser und Mirabile 2004).
Haben Menschen erst einmal eine Überzeugung gebildet, ändern sie diese nur langsam. Neue Informationen werden dann meist so interpretiert, dass sie das Bekannte bestätigen (Nickerson 1998). Menschen kommunizieren eher mit Personen, die ähnliche Überzeugungen vertreten, und meist überschätzen sie, wie viele Personen ihre Ansichten teilen (Goel et al. 2010). Zudem ist es für den Einzelnen schwierig zu erkennen, ob seine Überzeugung „paranormal“ oder „pseudowissenschaftlich“ ist, da es dafür kein eindeutiges Kriterium gibt (Boudry et al. 2015). Hinzu kommt, dass Menschen über mehrere Optionen verfügen, um wissenschaftlich unbegründete Überzeugungen aufrecht zu erhalten. Sie können ihre Überzeugungen mit fragwürdigen Taktiken untermauern, indem sie sich auf zweifelhafte Autoritäten berufen, auf nicht repräsentative Beispiele verweisen, unfalsifizierbare Theorien aufstellen und vieles mehr (Hansson 2013). Oder sie entwickeln Verschwörungstheorien, um Dinge zu rechtfertigen, die sich offenbar nicht rechtfertigen lassen (Foster, Clarke 2015).
Halten wir fest: Menschen sind Tiere mit bemerkenswerten, aber begrenzten kognitiven Fähigkeiten. Sie lassen sich häufig zu unplausiblen Überzeugungen verleiten und sind resistent gegenüber Revisionen. Sich über Anhänger von Humbug (oder über Skeptiker) zu ärgern, ist daher verständlich; rational ist es jedoch nicht. Wenn man sich über menschliche Sturheit ärgert, ist es, als ob man sich über hochentwickelte Roboter aufregt, weil sie nicht bemerken, dass sie ein Update für ihr Programm benötigen.