Am Beginn stehen entsprechend die Kapitel Wissenschaft, Erfahrungswissen, Pseudowissenschaft, gefolgt vom Thema Evidenzbasierte Medizin. Bald wird klar, dass Wissenschaft kein Glaubenssystem ist – wie so oft argumentiert wird – sondern ein überprüfbares System, das auf mystisches Denken verzichten kann, das offen ist für neue Erkenntnisse. Und dass Pseudomedizin auf Behauptungen ohne Belege beruht.
Die Autorin entlastet Laien, die den feinen Unterschied nicht erkennen: „Das gelingt ja nicht einmal mir als Ärztin auf Anhieb!“. Sie zeigt, dass die Evidenzbasierte Medizin aussortiert, was nicht funktioniert, und verbessert, was nicht optimal ist: “Es geht um die Kombination von ärztlichem Wissen und ärztlicher Kunst.“ Einfach wird erklärt, was seriöse Studien auszeichnet, wie Werbetexte die Inhalte verzerren, wie Publikationsmüll entsteht, was Wissenschaft für das öffentliche Gesundheitswesen bedeutet und warum das Misstrauen nicht gerechtfertigt ist.
Demgegenüber wird die „heile Welt“ der Alternativen dargestellt, die Falschinformation und simple Erklärungen anbietet und mit Schlagworten und metaphorisch mit Wissenschaftsbegriffen jongliert, was allesamt Emotion anspricht. Warum „Besondere Therapieverfahren“ aus der Überprüfung ausgenommen sind, und warum sie ein besonders positives Image haben, wird deutlich gemacht. Es ist „die Macht der Behauptung“: Je öfter sie wiederholt wird, desto mehr wird sie „wahr“. Einige zusätzliche Methoden, wie TCM, Schüßler-Salze, Bach-Blüten, Orthomolekulare Medizin, Osteopathie und (nicht ganz einsichtig, weil seltener) Spagyrik – werden genauer besprochen.
Sehr gut das kritische Kapitel zur Krankheitssymbolik, deren Glaubensvorstellungen falsch sind und vielen doch glaubwürdig erscheinen, sowie zu Entspannungsmethoden und Yoga, die Patienten die wichtige Chance bieten, „selbst etwas tun zu können“. Ein Fazit fasst jeden Abschnitt kurz und bündig zusammen. Mit der Warnung vor Auswüchsen, wie der Neuen Germanischen Medizin oder MMS, dem Spezialthema Impfgegnerschaft und einer umfassenden Darstellung des Heilpraktiker-Unwesens endet dieser Teil über „Alternativen“. Er bietet sehr gute Argumente für Diskussionen, wenn auch nicht viele neue Informationen für Skeptiker.