Seit dem Erscheinen von Zecharia Sitchins Buch “Stufen zum Kosmos” hält sich in pseudowissenschaftlichen Kreisen hartnäckig die Legende von einer Kartusche, die den Namen “Chufu” wiedergibt (die ägyptische Form des griechischen “Cheops”) und die der britische Forscher Howard Vyse in der obersten Entlastungskammer der Königskammer – der “Campbell-Kammer” – angebracht habe, um sich den Ruhm als Entdecker des Bauherren der Pyramide einzuheimsen (Sitchin, 1989, S. 284 ff.). Haase hat diese als “Fälscherlegende” bekannt gewordene Spekulation bereits 1996 ausführlich widerlegt (Haase, 1996, S. 159 – 162; ders., 2001, S. 206 – 208). Man kann Howard Vyse so manches vorwerfen: Ein Kartuschenfälscher war er jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Besagte Kartusche ist echt und damit ein authentischer Beleg für die Bauherreneigenschaft von Cheops. Die vier oberen Entlastungskammern waren bis zu ihrer gewaltsamen Öffnung durch Vyse 1837 hermetisch abgeschlossene Räume, der inhaltliche Kontext der Inschriften 1837 noch weitgehend unbekannt: Erst 15 Jahre vor Vyses Grabungen in Giza hatte Champollion die Hieroglyphen erstmals entziffern können (Lehner, 1999, S. 50). Im Zusammenhang mit der angeblich gefälschten Kartusche stellt von Däniken auch die Behauptung auf, es gebe nur diese eine:
“Gerade Zahi Hawass und Marc Lehner wurden nicht müde dem Publikum klarzumachen, wie raffiniert die Pyramidenbauer ihre Arbeit organisiert hätten. Da gab es verschiedene Gruppen, die untereinander konkurrierten. Familienbetriebe und Aufseher. Aber nur gerade einer dieser Abertausenden hat in dieser Entlastungskammer einige Pinselstriche hinterlassen. Entsetzlich traurig (v. Däniken, 2002, S. 14).”
Es gibt bereits mehr als eine Inschrift von Arbeitertrupps in den Entlastungskammern. Zahlreicher Bauarbeitergraffiti findet sich in der “Lady Arbuthnot-Kammer” unterhalb der “Campbell-Kammer”. Dort findet sich an der Westwand beispielsweise auf dem Kopf stehend (!) die Bezeichnungn eines Bautrupps:
“Arbeitermannschaft: Die weiße Krone des Chnum-Chufu ist mächtig” (Haase, 2002, S. 12).
Das ist ein weiterer Hinweis auf die Bauherreneigenschaft des Cheops. Interessant ist auch der Umstand, dass die Inschriften auf dem Kopf stehen: Das sowie die Tatsache, dass keine Fugen überschrieben werden, deutet darauf hin, dass sie von Bauarbeitern angebracht wurden, bevor die Steine verbaut wurden. Weitere Inschriften dürften sich an den so genannten
“Backing Stones” finden lassen, wie dies bereits bei der roten Pyramide, die Cheops’ Vorgänger Snofru in Dahschur errichten ließ und die die erste echte Pyramide der Welt war, geschehen ist. In Dahschur ließen sich Datumsinschriften, Königsnamen und verschiedene Markierungen nachweisen (Haase, 2000 a, S. 166).
Ein weiterer Beweis für die Bauherreneigenschaft des Cheops sind die zahlreichen Grabanlagen von Familienangehörigen, Priestern und Beamten des Königs in unmittelbarer Umgebung der Pyramide. In diesen Gräbern finden sich Aufzeichnungen, die einen klaren Bezug zu Cheops und dem Kult, der nach seinem Tode an der Pyramide betrieben wurde, haben. Eines dieser Gräber gehört einem Priester namens Kar aus der 6. Dynastie. In dem Grab, das jedermann zugänglich ist, stellt sich Kar der Nachwelt mit seinen Titeln vor: “Aufseher der Pyramidenstädte von Cheops und Mykerinos”, “Priester der Chephren-Pyramide” und “Gärtner von Pepi I. (Haase, 2001, S. 258).” Hier wird die Pyramidenstadt des Cheops genannt, wobei wir von Kar auch die altägyptische Bezeichnung für die Cheops-Pyramide erfahren: “Achet Chufu” – “Horizont des Chufu” (Haase, 1996, S. 154).