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| Mental, physisch und spirituell (Skeptiker 1/2010) |
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Bernd Harder Seit Anfang März läuft „Männer die auf Ziegen starren" in unseren Kinos. Der Film erzählt die absurde, aber reale Geschichte der „Jedi-Krieger" des Pentagons.
Oder den: Nuklearwissenschaftler verwandelt sich in grünes Muskelmonster und schlägt unterirdischen Militärstützpunkt kurz und klein, bis er mit nichttödlichem Klebeschaum besprüht und gestoppt wird – fesselnd!(2) Und schließlich noch den hier: Amerikanische Supersoldaten konzentrieren sich mit ganzer Kraft darauf, eine Ziege totzustarren, nur so zur Übung. Total abgefahrene Story, oder? Kleine Quizfrage dazu: Welche dieser drei Filmsequenzen hat eine reale Entsprechung? Richtige Antwort: alle drei. Annähernd jedenfalls. Als die Amerikaner 1989 in Panama einmarschierten und General Noriega sich nicht ergeben mochte, wurde die Zuflucht des Diktators mit Musik beschallt: AC/DC und Metallica in voller Lautstärke. Nach 24 Stunden gab Noriega auf. Im Februar 1995, als Friedenstruppen der Vereinten Nationen in Somalia versuchten, Nahrungsmittel zu verteilen, näherte sich in offenbar bedrohlicher Absicht eine aufgebrachte Menschenmenge. Die US-Marine setzte schnell härtenden Schaum ein, um eine Sofortmauer zwischen UNO-Mitarbeitern und Somalis zu errichten. Das funktionierte auch. Für etwa fünf Minuten, dann kletterten die Menschen einfach darüber. Jedis, Gespenster, DinosaurierSie hatten keinen Zugang zur Kaffeekasse der amerikanischen Armee. Sie mussten ihren eigenen Kaffee zur Arbeit mitbringen. „Darüber ärgerten sie sich immer mehr", schreibt der englische Journalist Jon Ronson in seinem Bestseller „Durch die Wand". Sie – das waren die „PSI-Spione". Die „Parapsychologischen". Die „Jedi-Krieger". Doch diese schillernden Bezeichnungen änderten nichts an der Tatsache, dass das Team „als Folge seiner offiziellen Nichtexistenz über kein Kaffeebudget verfügte", erzählt Ronson weiter. „Ein Umstand, den sie alle übelnahmen. Sie wurden langsam verrückt." „Fragt Kristy McNichol"Wo ist Noriega? Das beispielsweise wollte eine amerikanische Regierungsbehörde von der PSI-Einheit wissen, als der erklärte Lieblingsfeind Washingtons nach seinem Sturz in Panama-Stadt einfach abtauchte. Einer der Supersoldaten versetzte sich in Trance und schrieb auf ein Stück Papier: „Fragt Kristy McNichol!(3)" Da niemand dem „Durch die Wand"Autor Jon Ronson sagen konnte oder wollte, ob die besagte US-Behörde seinerzeit diesem Rat tatsächlich gefolgt war, fragte er selbst bei der beliebten Schauspielerin nach: „Ich erhielt nie eine Antwort." Von der Komödie zur TragödieGanz zum Schluss indes kippen Film und Buch „von der Komödie zur Tragödie" (Spiegel), denn beide ziehen eine direkte Verbindung zu den Folterknechten von Abu Ghuraib und Guantanamo. Im Buch heißt es dazu in einer Art Zusammenfassung: „Vielleicht geht die Geschichte so: In den späten 1970er-Jahren suchte der von Vietnam traumatisierte Jim (Channon; A.d.A.) Trost in der aufkommenden Human-Potential-Bewegung in Kalifornien. Seine Ideen führte er in die Armee ein, und sie brachten bei den hochrangigen Offizieren, die sich vorher nie als New-Agergesehen hatten, eine Saite zum Schwingen – in ihrem Post-Vietnam-Trübsal begann dies alles Sinn zu machen. Aber dann, in den folgenden Jahrzehnten, erlangte die Armee, wie sie nun mal ist, ihre Kraft zurück und sah, dass man einige Ideen in Jims Handbuch dazu einsetzen konnte, um Menschen zu brechen, statt sie zu heilen. Das sind die Ideen, die im Krieg gegen den Terror fortleben."
Keine Siege ohne ZiegeDer Film endet mit einer Herde Ziegen, derer die beiden Protagonisten zufällig ansichtig werden – auf einem amerikanischen Militärstützpunkt irgendwo in der irakischen Wüste. Die Geschichte der „Jedi-Krieger" ist also noch nicht zu Ende. Und in der Wirklichkeit? Kommen wir nochmal auf die fehlende Kaffeemaschine zurück. Jemand vom First Earth Battalion erzählte Ronson bei seinen Nachforschungen mit verschwörerischem Unterton, er habe begonnen zu glauben, es gäbe noch eine andere, viel besser versteckte PSI-Einheit, mit mutmaßlich glamouröseren Büros, und ihre Einheit sei enttarnt worden, um die Aufmerksamkeit von dieser anderen Einheit abzulenken. „Damals schenkte ich dieser Theorie kaum Glauben", schreibt Ronson. „Aber heute bin ich mir nicht mehr so sicher." Zum Thema:Jon Ronson: Durch die Wand. Salis, Zürich 2008, 240 Seiten, 16,90 EUR (Taschenbuchausgabe: „Männer die auf Ziegen starren", Heyne, München 2010, 7,95 EUR).
Quellen:
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US-Lieutnant fliegt Hubschrauberangriff auf vietnamesisches Dorf und lässt dabei Wagners „Ritt der Walküren" aus Lautsprechern dröhnen. Irre Szene, kennen Sie den Film?(1)












