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27.09.2010
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„Make Health, not War!“ - Die Vitaminverschwörung des Dr. Rath
Bernd Harder Ein „Pharma-Kartell“ ist angetreten, „den Gesundheits- und Lebensinteressen der gesamten Menschheit den Krieg“ zu erklären. Es fördere den Verkauf teurer und schädlicher synthetischer Arzneimittel und versuche gleichzeitig, Vitaminpräparate weltweit zu verbieten, da diese auf natürliche Weise Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Volkskrankheiten verhindern könnten. Kritiker werfen Dr. Rath Profitstreben sowie die Gefährdung seiner Kunden vor, da die unkontrollierte Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen mehr schaden als nützen könne. Und: „Den offensichtlichen Widerspruch, die gesamte Pharma-Industrie nun mit eigenen, angeblich neuartigen Pillen in Frage zu stellen, scheinen die Anhänger auszublenden“, merkt der Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) an. „Haben Sie sich jemals gefragt, wer ,man‘ ist und wie jemand so hartherzig sein könnte, eine Behandlung für solch eine tödliche Krankheit zu verheimlichen, oder wie umfassend so eine Verschwörung des Schweigens sein müsste, um erfolgreich sein?“, stellt der Arzt und Präsident der New England Skeptical Society, Steven Novella, anheim. „Der größte Mangel jeder Theorie, die eine Verschwörung des medizinischen Establishments postuliert, ist die Tatsache, dass dieses medizinische Establishment in Wirklichkeit keine zusammenhängende Einheit ist.“ Der Gesundheitsmarkt besteht aus Ärzten, Pflegekräften und anderem medizinischen Personal, Versicherungsgesellschaften, privaten Verbraucherorganisationen, Universitäten, Regierungsbehörden, Krankenhäusern, privaten Anbieterorganisationen, Berufsverbänden, pharmazeutischen Konzernen und anderen Industrieverbänden. Die meisten dieser Gruppen sind unabhängig und verfolgen unterschiedliche Ziele in diversen Bereichen des Gesundheitswesens. „Wenn sie Ergebnisse haben, die die Wirksamkeit einer neuen Krebstherapie belegen, erlangen sie wissenschaftlichen Ruhm und Vermögen durch die Veröffentlichung ihrer Daten. Wenn ihnen ein derartig großer Durchbruch gelingt, machen sie Karriere, weitere finanzielle Unterstützung ist gesichert, sie werden an der Universität gefördert, erhalten wahrscheinlich ihr eigenes Labor und werden Anwärter für den Nobelpreis in Medizin. Sie werden überschüttet mit beruflichen Ehren und Ruhm, Karrierechancen und mehr Geld. Selbst wenn man einem Wissenschaftler, der ein Heilmittel für Krebs entdeckt, rein selbstsüchtige und geldgierige Motive unterstellen würde, kann er nur alles gewinnen und nichts verlieren, wenn er mit der Information an die Öffentlichkeit geht.“ Und die bösen Pharma-Konzerne? Würden sie einfach ein neues Medikament zurückhalten, das ihre bisherigen bedroht? „Dieses Argument ist nicht wasserdicht. Pharma-Konzerne suchen immer nach neuen Medikamenten, weil die auf dem Markt befindlichen zeitlich befristete Patente haben. Daher wird jeder Konzern an einem Patent, das zur Heilung führt oder eine wirksame Behandlung darstellt, Milliarden verdienen, selbst wenn er seine alten Präparate nicht mehr verkaufen könnte.“ „Ärzte, Wissenschaftler und Vorstandsmitglieder von Pharma-Konzernen haben selbst eine Familie und geliebte Menschen. Krebs steht an zweiter Stelle der Todesursachen nach Herzkrankheiten. Menschen, die in eine theoretisch denkbare Verschwörung zur Unterdrückung eines Heilmittels gegen Krebs verwickelt wären, könnten eines Tages selbst Krebs bekommen. Statistische Daten sprechen dafür, dass wahrscheinlich eine ihnen nahe stehende Person zu ihren Lebzeiten ein Opfer von Krebs wird. Man kann sich kaum vorstellen, dass jemand so kurzsichtig, habgierig und bösartig ist und einen geliebten Menschen oder sich selbst zu einem vorzeitigen Tod durch Krebs verurteilt, egal was er dadurch möglicherweise gewinnen könnte.“ Mit anderen Worten: In eine solche Verschwörung wären zu viele Personen eingebunden. Niemand würde einen eindeutigen Gewinn daraus ziehen. Der Arzt und Skeptiker abschließend: „Es dürfte wahrscheinlich niemand so geistesgestört sein, dass er es für eine gute Idee hielte, ein Heilmittel gegen Krebs zu verheimlichen. Hinzu kommt, dass es auch nicht den geringsten Hinweis auf ein geheim gehaltenes Heilmittel oder eine Verschwörung zu seiner Unterdrückung gibt. Aber obwohl das Märchen von dem geheim gehaltenen Krebsmittel unhaltbar ist, wird es in Laienkreisen weiterleben. Es hat sich gezeigt, dass die Menschen nicht bereit sind, eine scheinbar gute Geschichte aufzugeben wegen so etwas Trockenem wie Logik und Fakten.“
Dieser Artikel erschien im "Skeptiker", Ausgabe 4/2003. |
















